Rentnerin verliert halbes Vermögen mit riskanten Zockerpapieren

Mit dem Verkauf von strukturierten Wertpapieren versuchen die Sparkassen, auf Kun­denfang zu gehen und hohe Provisionen zu generieren. Das Verlustrisiko tragen aber alleine die Kunden.

Ursprünglich war das Zertifikat, dass die 93-jährige Gerda T. bei ihrer Sparkasse 2021 erwarb, EUR 20.000,00 wert. Nach einem starken Kursrückgang zwei Jahre später lag der Verkaufs­wert nur noch bei rund EUR 10.000,00. Dabei hatte die „Anlageberaterin“ der Sparkasse ihr versichert, dass die Geldanlage sicher sei. Die Rentnerin verlor somit die Hälfte ihrer Erspar­nisse anlässlich der Beratung ihrer Sparkasse, bei der sie bereits ihr ganzes Leben lang Kun­din war.

Eine Wette auf die Zukunft ……

Zertifikate gehören zu den strukturierten Wertpapieren, ihre Funktionsweise ist teilweise so komplex, dass selbst manche erfahrene Profis sie nicht durchschauen. Dass Zertifikate keine geeigneten Geldanlagen für Sparer sind, dürfte an und für sich in der Beratungsbranche be­kannt sein.

Das Zertifikat, welches der Rentnerin Zinsen einbringen sollte, war ein Wette auf die Zukunft und funktionierte wie folgt:

Sollte der Euribor-Zinssatz multipliziert mit dem Faktor vier weniger als zwei ergeben, dann zahlt der Zertifikateanbieter der Rentnerin Zinsen – und nur in diesem Fall ! Ist das Ergebnis der Rechnung allerdings größer als zwei, stellt der Anbieter die Zinszahlung nach zwei Jahren ein, das angebliche „Sparmodel“ bringt nichts mehr ein.

Beim Euribor handelt es sich um den Zinssatz, zu dem sich europäische Banken untereinander Geld leihen. Zum Zeitpunkt, als die Rentnerin das Zertifikat von der Sparkasse kaufte, ran­gierte der Interbankenzins noch im negativen Bereich.

Das Zertifikat wurde Frau Gerda T. von der Hattinger Sparkasse empfohlen – ein Geldinstitut, das den Menschen eigentlich dabei helfen soll, Vermögen aufzubauen und zu sichern, anstatt es mit risikoreichen Wertpapieren zu vernichten. Die Rentnerin, die in einer Senioren-Wohn­gemeinschaft lebt, hatte ihrer Sparkasse seit den 1960er Jahren vertraut – ein Vertrauen, dass nun verloren ist.

Derivate sind für Sparer grundsätzlich nicht geeignet

Strukturierte Wertpapiere sind Derivate. Sie basieren darauf, dass Anleger an der Wertent­wicklung von Aktien, Fonds oder Anleihen teilnehmen können, ohne diese Basiswerte tatsäch­lich zu besitzen. Neben Zertifikaten gehören auch Optionen, Futures und Swaps zu Derivaten, die allerdings hauptsächlich von institutionellen Investoren gehandelt werden.

Zu den größten Derivateanbietern (Emittenten) in Deutschland mit einem Marktanteil von rund 20 % gehört die DekaBank. Sie ist das Wertpapierhaus der Sparkassen, entwirft also die Fi­nanzprodukte, die die Sparkassen vor Ort am Schalter an ihre Kunden verkaufen.

Neben der DekaBank reiht sich in die Liste der größten Derivateanbieter die Landesbank Ba­den-Württemberg (LBBW) mit gut 18 % und der DZ Bank (der genossenschaftlichen Banken) mit knapp 17 %.

Zertifikate sind sehr komplexe und vor allem riskante Finanzinstrumente, die in sämtlichen Eigenschaften durch den jeweiligen Anbieter frei ausgestaltet werden können (wie z.B. Lauf­zeit, Zins, Rückzahlung etc.). Aus diesem Grund sind solche Produkte grundsätzlich auch nicht für Sparer geeignet, zumindest wenn ihre eigene Risikoeinstufung „sicher“ im Sinne von Kapi­talerhalt ist. Sie müssen mit hohen Kursschwankungen rechnen, im schlimmsten Fall kann sogar der Totalverlust der Geldanlage drohen.

Mangelndes Fachwissen bei der Beratung

Am Ende bleibt die Frage, warum die Sparkasse einen Rentnerin im hohen Alter ein so risiko­reiches Finanzprodukt der DekaBank verkauft hat ?

Eine Antwort liegt sicherlich darin, dass die Sparkassen selbst die gestiegenen Zinsen auf dem Markt nicht an ihre Kunden weitergegeben haben und nun versuchen, mit alternativen Produk­ten diesen Nachteil auszugleichen.

Ein weiterer wesentlicher Grund waren sicherlich die hohen Provisionen, die der „Berater“ bzw. die Sparkasse an den Verkäufen verdient.

Jedenfalls steht der Vorwurf der Falsch- oder Schlechtberatung im Raum, da man einer über 90-jährigen Rentnerin nicht ein so hochriskantes, mit Totalverlust risikobehaftetes Papier ver­kauft.

Von dem Fall der Rentnerin Gerad T. berichtete zuerst die „Wirtschaftswoche“. Nach deren Angaben wollte die Hattinger Sparkasse zu den Vorwürfen „keine Stellungnahme abgeben“.

Die Sparkasse war außerdem nicht bereit, den Schaden, den die Rentnerin durch die falsche Anlageberatung erlitten hat, zu ersetzen !

Leider kein Einzelfall …

Dieser Fall der Rentnerin Gerda T. ist leider kein Einzelfall. Trotz stetiger Bemühungen und Gesetzesänderungen können Geldhäuser und unseriöse Anlageberater weiterhin hoch ris­kante Produkte an unwissende Anleger verkaufen und sie hierbei noch als nahezu risikolos bezeichnen.

Sollten auch Sie solche schlechten Erfahrungen gemacht haben, sollten Sie nicht zögern, Ihre möglichen Schadenersatzansprüche von einem Fachanwalt prüfen zu lassen. Für eine erste Vorprüfung stehen wir Ihnen selbstverständlich gerne zur Verfügung.

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